Honda storniert Elektroauto-Fabrik in Kanada, streicht E-SUV

07.05.2026

Ein Verkehrsschild weißt den Weg zu einer Ladestation für Elektroautos. In dem Foto zeigt der Pfeil auch auf ein Restaurant namens "Good Fortune".

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Honda wird das gemeinsam mit General Motors entwickelte Elektro-SUV Prologue aus dem Sortiment streichen. Es wurde seit 2024 in Nordamerika verkauft und beruht zu weiten Teilen auf dem Chevrolet Blazer EV. Stattdessen setzt Honda in Nordamerika fortan auf Hybridautos. Parallel stoppen die Japaner ihre Vorbereitungen für den Bau einer Fabrik für Elektroautos und Akkumulatoren in Kanada.

Dies berichtet Nikkei Asia. Honda hat sich dazu nicht geäußert. Anfang 2024 hat der Autokonzern die Errichtung eines neuen Elektroautowerks in Kanada angekündigt, samt angeschlossener Akkumulatorenherstellung. Dafür sollten 18,4 Milliarden kanadische Dollar fließen (aktuell rund 11,6 Milliarden Euro), wovon fünf Milliarden aus Subventionen Kanadas sowie der Provinz Ontario kommen sollten. Vor einem Jahr hat Honda das Projekt um zwei Jahre aufgeschoben. Grund war die geringe Nachfrage nach Elektroautos in Nordamerika.

Es war die Hochblüte solcher Ankündigung für die Energiewende bei Pkw. Ab 2035 wollte Kanada, genau wie Kalifornien, Pkw und leichte Nutzfahrzeuge nur noch mit lokal emissionsfreien Antrieben zulassen. Alleine Stellantis, Northvolt und Volkswagen wollten damals binnen eines Jahrzehnts rund 38 Milliarden kanadischer Dollar in E-Produktion in der Monarchie investieren. Diese Pläne haben sich großteils zerschlagen.

Northvolt ist pleitegegangen, die Bauarbeiten in Quebec mussten voriges Jahr eingestellt werden. Immerhin errichtet Volkswagen derzeit eine Akkufabrik in Ontario, doch die Produktionsmengen dürften geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Das Elektroauto VW ID.4 wird vom nordamerikanischen Markt verschwinden, die Produktion ist bereits eingestellt. Die ID.4-Fabrik in Tennessee wird stattdessen das benzingetriebene SUV Atlas herstellen, weil VW damit mehr Geld verdient. GM hat seinen elektrischen Lieferwagen Brightdrop aufgegeben, das Werk in Kanada steht still.

Stellantis steckt ohnehin in einer Krise und hat seine Beteiligung an einer Akkufabrik in der Grenzstadt Windsor im Februar an den ursprünglichen Partner LG Energy Solution verkauft. Zudem fordert der kanadische Staat hunderte Millionen Dollar zurück, weil Stellantis Subventionen genommen, aber trotzdem Fahrzeugproduktion in die USA verlagert hat. Zuletzt wollte Stellantis eine kanadische Autofabrik für die Produktion chinesischer Elektroautos umwidmen. Das stößt in Kanada nicht auf politisches Wohlwollen.

Denn die Chinesen sollen, if you please, eigene, gänzlich neue E-Autofabriken in Kanada bauen. Dies ist Ziel einer Übereinkunft zwischen Kanada und der Volksrepublik. Vor zwei Jahren hat die damalige US-Regierung unter Joe Biden im Handelskrieg mit China 100 Prozent Zoll auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge eingeführt, was Kanada übernommen hat. Doch inzwischen bekriegt die US-Regierung unter Donald Trump auch Kanada mit Zöllen.

Anfang des Jahres hat Ottawa daher mit Peking vereinbart, dieses Jahr 49.000 chinesische Elektroautos zum niedrigsten Zolltarif von 6,1 Prozent ins Land zu lassen. Im Gegenzug senkt Peking Zölle auf bestimmte Importe aus Kanada. 49.000 Fahrzeuge sind nicht viel, weniger als drei Prozent des kanadischen Automarkts. Aber es ist ein Anfang, der chinesische Hersteller zum Aufbau eigener Vertriebsnetze einlädt. Aktuelle Stellenanzeigen lassen erkennen, dass diese Strategie aufgeht.

Bis 2030 steigt die Quote auf 70.000 chinesische E-Fahrzeuge pro Jahr. Sie sollen günstig sein: Mindestens die Hälfte soll dann weniger als 35.000 kanadische Dollar (knapp 22.000 Euro) Importwert haben. Aufgehoben wird der Zoll absichtlich nicht, denn chinesische Hersteller, die in Kanada Anklang finden, sollen langfristig direkt vor Ort produzieren und dafür Geld in die Hand nehmen. Da passt die Umrüstung einer subventionierten Stellantis-Fabrik nicht.

Voriges Jahr ist der kanadische Markt für neue Elektroautos stark geschrumpft, während der Neufahrzeugmarkt insgesamt gewachsen ist. Wurden 2024 noch 202.000 reine E-Autos verkauft, 10,9 Prozent aller Neuzulassungen, waren es 2025 nur noch 115.000 (-43%) oder 6,2 Prozent. Parallel sind auch die Menge und der Anteil der Plug-in-Hybriden gesunken.

Derzeit erfreuen sich solche Fahrzeuge wieder reger Nachfrage. Das liegt vor allem an den aufgrund des Angriffs der USA auf den Iran stark gestiegenen Benzinpreise. Zwar hat Kanadas Bundesregierung neue Subventionen für günstigere Elektroautos und Plug-in-Hybride aufgelegt (sofern sie nicht aus China kommen), doch haben die Provinzen und Territorien ihre Förderprogramme allesamt eingestellt. Nur in Québec gibt es noch bis Jahresende einen kleinen Zuschuss. Angesichts stark gestiegener Neuwagenpreise ist die langfristige Nachfrageentwicklung unsicher.

Vor allem aber wird Honda in den kanadischen Markt keinen zweistelligen Milliardenbetrag investieren. Das kann sich nur rechnen, wenn es von dort viele Autos in die USA verkaufen kann. Genau das möchte US-Präsident Trump aber gar nicht. Einerseits weil er allgemein gegen Importe, andererseits weil er speziell gegen Elektrofahrzeuge ist.

„Es gibt Herausforderungen mit US-Zöllen, ungerechtfertigten Zöllen im Autosektor”, bestätigt der kanadische Premierminister Mark Carney. „Wir werden weiter mit Unternehmen der Branche zusammenarbeiten, ihnen helfen, sie neu zu positionieren, zu investieren und die Werktätigen unterstützen.” „Amerikanische Zölle und Änderungen inländischer Vorgaben in den USA erzeugen echten Druck auf Autohersteller”, weiß auch Kanadas Industrieministerin Melanie Joly. „Das führt zu Verzögerungen und Reduktionen in Investitionen in Projekte für Elektrofahrzeuge und Akkus.”

Die Änderungen bei „inländischen Vorgaben” in den USA sind enorm: Präsident Trump hat nicht nur die Subventionen für Elektroautos und Ladestationen gestoppt sowie das Verbrennerverbot ab 2035 aufgehoben; er hat zudem Abgasgrenzwerte überhaupt abschaffen lassen. „Restoring the American Dream”, nennt das Umweltschutzministerium diesen Schritt. Zudem geht das Weiße Haus gemeinsam mit Daimler Truck, Volvo und anderen LKW-Herstellern gerichtlich gegen Emissionsgrenzwerte Kaliforniens und anderer US-Staaten vor.

Die Folge ist ein Einbruch der Absatzzahlen für Elektroautos in den USA. Dem hat sich auch Kanada nicht ganz entziehen können. Das neue Ziel des flächenmäßig zweitgrößten Landes der Welt ist, dass 2035 75 Prozent der Neuzulassungen auf Elektroautos und Plug-in-Hybride entfallen, 2040 90 Prozent.

Kanadas konservative Opposition beschuldigt die Regierungspartei der Liberalen, durch Subventionen für Elektroautos die Hersteller dazu veranlasst zu haben, ihre Verbrennerproduktion abzusiedeln. Angesichts fehlender Nachfrage nach E-Autos kommen nun die entsprechenden neuen Fabriken nicht, sodass Kanadas Autobranche insgesamt leide.

Anders sieht es der Verband kanadischer Autoteilehersteller (Automotive Parts Manufacturing Association). „Die US-Amerikaner haben den Elektroautomarkt ausgehöhlt”, sagte APMA-Präsident Flavio Volpe zum Fernsehsender CTV, „Und Honda hat geplant, diesen riesigen Markt von hier aus zu bedienen.” Immerhin soll der Stopp der Elektro-Pläne Hondas keine abträglichen Auswirkungen auf dessen Produktion herkömmlicher Fahrzeuge in Kanada haben.

Honda ist, hinter Toyota, der zweitgrößte Autohersteller in Kanada. Mehr als 400.000 Honda Civic und Honda CR-V rollen dort jährlich vom Band. Früher wurden auch andere Hondas sowie Acuras in Kanada produziert.

Quelle:Seite 2: Nachfrage in Kanada reicht Honda nicht | heise autos