E-Auto-Batterien flexibler nutzen: So groß wäre das Potenzial
10.10.2026
Batteriespeicher sind viel billiger geworden. Haubesitzer stellen sich Solarspeicher in den Keller, Energieunternehmen errichten immer mehr Großbatteriespeicher.
In der Kommentarspalte haben sich User über das Potenzial von E-Autos ausgetauscht. Der Nutzer “12Franke” kommentierte:”Und wenn wir jetzt noch die Speicher der E-Autos in die Energiewende einbeziehen, wie sieht es dann aus? Soviel Speicher Kapazität in einem Fahrzeug das sowieso die meiste Zeit steht. Das wäre technologieoffen. Aber sowas von.”
Wie kann man die Batterie des Elektroautos flexibler nutzen?
Vor allem beim Laden daheim haben E-Auto-Nutzer die Möglichkeit, ihre Batterien flexibler einzusetzen. Grundsätzlich gibt es dazu zwei verschiedene Möglichkeiten: Die erste, einfachere Anwendung ist das flexible Laden. Das heißt: Das E-Auto wird nicht sofort nach dem Heimkommen wieder aufgeladen, sondern zeitversetzt. Und zwar dann, wenn im Verhältnis zum momentanen Verbrauch viel Strom im Netz zur Verfügung steht, und der Börsenstrompreis damit niedrig ist. Das kann zum Beispiel in den Nachtstunden sein, wo der allgemeine Strombedarf in Deutschland regelmäßig niedrig ist. Wenn das E-Auto tagsüber angesteckt ist, kann es auch die häufig durch Photovoltaik-Einspeisung vorhandene Preisdelle am Mittag nutzen, die einem hohen Stromangebot im Netz entspricht.
Die zweite, fortgeschrittenere Möglichkeit ist das so genannte bidirektionale Laden. Dabei gibt die Fahrzeugbatterie auch Strom wieder ab ins Netz, wenn der besonders teuer ist – etwa am Morgen oder am frühen Abend.
Wie viel Potenzial steckt darin?
In dieser Technik stecken bereits jetzt erhebliche Möglichkeiten, obwohl der Anteil von E-Autos in Deutschland noch gering ist. Eine Studie der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) (externer Link) im Auftrag von Eon hat untersucht, wie groß das Potenzial von “haushaltsnahen Flexibilitäten” beim Stromverbrauch in den kommenden Jahren ist. Durch flexible Nutzung von E-Auto-Batterien ließe sich demnach Stand jetzt jährlich eine Strommenge von 3,6 Terawattstunden verschieben, in fünf Jahren sogar 9,3 Terawattstunden.
Zum Vergleich: Der Jahresstromverbrauch der Stadt München liegt nach Angaben der Münchner Stadtwerke bei rund 6,2 Terawattstunden. Das könnte neben den individuellen Vorteilen für E-Autobesitzer auch dem gesamten Stromsystem helfen: Indem Preisspitzen geglättet werden, würde Strom für alle billiger.
Lohnt sich das finanziell?
Mit dem optimierten Laden können sich E-Auto Besitzer jährlich Stromkosten in einer Größenordnung von einigen hundert Euro sparen. Wieviel genau hängt von Variablen wie der Fahrleistung, den möglichen Ladezeiten und dem jeweiligen Stromtarif ab.
Grundsätzlich gibt es einerseits die Möglichkeit, einen dynamischen Stromtarif abzuschließen. Hier schwanken im Tages- und Jahresverlauf die gezahlten Preise pro Kilowattstunde mit dem Börsenpreis. Das Optimieren des Ladezyklus auf die günstigsten Zeiten kann man dabei einer App überlassen.
Eine andere Möglichkeit sind Festpreistarife mit Flexibilitätsbonus. Hier bekommt man eine Gutschrift, wenn man sein Auto preisoptimiert per App laden lässt, beispielsweise 10 Cent pro Kilowattstunde.
Was müsste sich ändern, damit das funktioniert?
Das oben beschriebene preisoptimierte Laden per App ist jetzt schon breit verfügbar. Allerdings ist in der Regel dafür ein intelligenter Stromzähler nötig. Bei der Installation dieser Smart Meter sind viele Stromnetzbetreiber langsam. Bisher verfügen nach Angaben der Bundesnetzagentur (externer Link) erst rund sechs Prozent der deutschen Stromkunden über einen intelligenten Stromzähler.
Noch nicht massentauglich ist bisher das bidirektionale Laden, bei dem auch Strom wieder vom Fahrzeug abgegeben wird. Das liegt einerseits daran, dass die Mehrheit der E-Autos es technisch noch nicht kann, andererseits auch an regulatorischen Hürden. An beiden Stellen ist jedoch nach Einschätzung von Marktbeobachtern inzwischen Besserung in Sicht.
Quelle:E-Auto-Batterien flexibler nutzen: So groß wäre das Potenzial | BR24



